Formal orientiert sich der Abend an der alten lithurgischen Form des Requiems, eine formale Gliederung des Trauern, ein Wechselgesang zwischen Anleitendem und Gemeinde, zwischen Gebet, Vortag und Gesang. Es ist eine alte Form der kollektiven Trauer in der Hinwendung zu einem christlichen Gott. Ein Abschluß und Neubeginn.

Die Form soll nicht einfach benutzt oder kopiert werden. Der Respekt verbietet das.
Es geht um eine Auseinandersetzung damit wie Trauer verarbeitet wird, wie Formen gebraucht und geschaffen werden um Gefühlen Ausdruck verleihen zu könnnen, um ein Gefühl von Gemeinschaft zu erleben.
Religiöse Trauer ist für viele Menschen etwas Fremdes geworden, das Verschwinden von Menschen im nirgendwo zu einem Problem, denn der nicht Gläubige braucht den Körper des Verstorbenen um trauern zu können. Das Jenseits ist kein Trost mehr. Die Vorstellung allein davon, was das Jenseits sein könnte, übersteigt die Phantasie. So werden Biographien erfunden, Menschen werden nicht sterben gelassen, sie müssen immer bleiben in der Erinnerung. Eine vielleicht zwanghaft und krankhaft werdende Sehnsucht. Wie entsteht ein kollektives emotionales Erlebnis im Ritual ohne Gott?
Ergibt sich aus dieser Recherche vielleicht eine Leerstelle, die nur mit Glauben zu füllen ist?

Dazu möchten wir in eine auf die Grundmauern reduzierte Kirche im Zentrum Berlins gehen, ein Ort der noch Hülle, von etwas Gewesenem erzählt, aber noch nicht angefüllt ist mit etwas Neuem. Ein Zwischenraum, der den Zustand der Suchens in sich trägt. Ein Raum der sich in einer Neunutzung und Neudefinierung in einer sich verändernden urbanen Landschaft befindet. Wie in den drei Teilen, drei Formen urbanen Lebens gegen einen Eingriff der Natur gestellt sind, so stellt sich hier ein Ort in das Spannungsfeld zwischen seinen Verfall und seine Definition.

Eine Woche soll dieser Ort wieder ein Zentrum werden, der Begegnung in einem Stadtteil, der Ausstellung des Recherchematerials, der Ruhe, ein offenes Haus. es gibt die Möglichkeit eigene Eindrücke zu hinterlassen. An vier aufeinanderfolgenden Abenden findet dann die eigentliche Vorstellund „Die Flut-Ein Ersatzrequiem“ statt.